Seminar für Jugendliche aus Deutschland in der Geschichtswerkstatt

Vom 5. bis zum 12. August 2018 nahm eine Gruppe deutscher Jugendlichen aus dem Evangelischen Jugendhaus Shalom Gera an einem Bildungsseminar in der Geschichtswerkstatt Leonid Lewin teil. Im Laufe einer Woche machten sich 28 Seminarteilnehmer mit der Holocaust-Geschichte am Beispiel des Minsker Ghettos und des Vernichtungsortes Malyj Trostenez im Detail bekannt. Sie beteiligten sich an thematischen Workshops in der Geschichtswerkstatt, studierten wenig bekannte Seiten aus der Holocaust-Geschichte, besuchten die Erinnerungsorte und lernten tragische Schicksale der NS-Opfer auf dem Territorium von Belarus in der Zeit der Okkupation 1941-1944 kennen. 

Die Führung durch die Geschichtswerkstatt und das Territorium des ehemaligen Minsker Ghettos organisierte die Mitarbeiterin der Geschichtswerkstatt Antonina Tschumakowa. Im Rahmen des weiteren Programms besuchten die Teilnehmer die thematische Wanderausstellung in der Nationalen Bibliothek, die dem Vernichtungsort Malyj Trostenez gewidmet ist. Der Referent der Geschichtswerkstatt Alexander Dalhouski erzählte den Besuchern viel Wissenswertes zu diesem Thema und führte ein Seminar zur Arbeitsmethodik an den Fotomaterialien aus der Kriegszeit durch. Jugendliche aus Deutschland besuchten auch die Gedenkstätte Malyj Trostenez, wo die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges die Zivilbevölkerung von Belarus, Juden aus Westeuropa und dem Minsker Ghetto vernichteten. Der Historiker erzählte ausführlich vor Ort über die tragischen Ereignisse jener Zeit und beantwortete die Fragen der Jugendlichen.

Besonderes Interesse rief bei den Teilnehmern das Treffen mit der Zeitzeugin, der Gefangenen des Minsker Ghettos Frida Reismann, hervor. Die Jugendlichen stellten an sie viele Fragen. Zum Abschluss des Treffens überreichte der Leiter der deutschen Gruppe Christian Sanitter Frida Reismann im Namen der Gruppe einen Blumenstrauß und Erinnerungsgeschenke als Zeichen der Anerkennung und Versöhnung.

Zum Zweck der Formierung eines vollständigen Bildes der Kriegsereignisse und zum besseren Verständnis des historischen Kontextes besuchte die Gruppe das staatliche Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges. Wassilij Kostrow begleitete die Besucher durch die Säle des Museums und lenkte ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf die Exposition über den Vernichtungsort Malyj Trostenez und das Minsker Ghetto. Am nächsten Tag veranstaltete er für die Jugendlichen eine Führung auf dem Gelände der Gedenkstätte Chatyn. Es soll bemerkt werden, dass die Geschichtswerkstatt in Minsk den Namen des hervorragenden Architekten Leonid Lewin trägt, der einer der Autoren der Gedenkstätte Chatyn war. Deswegen war es für die deutschen Jugendlichen umso interessanter, das Resultat seins Schaffens, von dem sie bereits viel gehört haben, unmittelbar an diesem Gedenkort zu sehen.

Die Geschichtswerkstatt wird auch weiterhin Gruppen von Jugendlichen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern empfangen, damit immer mehr Leute von den tragischen Ereignissen auf dem belarussischen Territorium während des Zweiten Weltkrieges erfahren und das Gedenken an die Opfer bewahren, damit sich so etwas nie mehr wiederholt.

Fotos: