"Postskriptum: „Ostarbeiter“ im 3. Reich" - Eröffnung im „ok16“ am 11.02.

Im Kulturraum „ok16“ wird momentan die Ausstellung “Postscriptum: Восточные рабочие в Третьем рейхе“ („Postskriptum: „Ostarbeiter“ im 3. Reich“) gezeigt. Die Ausstellung handelt von den Arbeitskräften aus den besetzten östlichen Gebieten, die während des 2. Weltkrieges zwangsweise zur Arbeit im 3. Reich eingesetzt wurden. Das Projekt wird von Memorial (Moskau), sowie der IGV „Verständigung“ und der Geschichtswerkstatt unterstützt, jedoch wurden die ausgestellten Geschichten, unter der Leitung von Forschern, von freiwilligen Studenten aus Russlands größtem Dokumentenarchiv ausgewählt und zu der Ausstellung zusammengestellt. Auch die Geschichtswerkstatt hat die Ausstellung mit den Geschichten einiger belarussischen Zwangsarbeiter ergänzt. Die Ausstellung enthält Fotografien, Dokumente und Erinnerungsfragmente und zeigt den Blick der jungen Generation auf die Geschichte der „Ostarbeiter“.

Zum Eröffnungsempfang am Dienstag betonte die Leiterin des ok16, Maria Kalesnikova, dass eine Ausstellung in einem solchen Themenbereich normalerweise nicht in das Interessenspektrum des ok16 fällt, doch sie und ihr Team empfanden das Thema der Zwangsarbeit als wichtig, weshalb die Ausstellung in den Räumen des ok16 Platz finden sollte. „Postscriptum“ soll die Möglichkeit bieten die Gestaltung von Arbeit in totalitären Regimen zu hinterfragen.

Ebenfalls redeten zur Eröffnung unter anderem Anzelika Anoschko als Leiterin der IGV „Verständigung“, sowie der schweizerische Botschafter, Vertreter von Memorial, Kuratoren und Mithelfer der Ausstellung, sowie auch Irina Kashtalian, die Leiterin der Geschichtswerkstatt. Diese bedankte sich in ihrer Rede bei Memorial für die Durchführung des Projektes und auch beim ok16 für die Bereitstellung des Raumes. Sie betonte ebenfalls nochmal die Wichtigkeit der Ausstellung, da viele Zwangsarbeiter nach ihrer mühseligen Wiederkehr durch die sowjetische Gesellschaft als „Bürger zweiter Klasse“ und „Verräter“ während der Besatzungszeit angesehen wurden. Aus Angst vor Enthüllung und Isolation verschwiegen viele Zwangsarbeiter ihre Schicksale, nicht zuletzt auch um ihre Familien zu schützten. Erst in den 1990er Jahren konnten sie öffentlich über ihre Vergangenheit sprechen, doch bis heute sind die persönlichen Geschichten in Lehrbüchern und Museen nicht ausreichend vertreten. Die Ausstellung im ok16 trägt also einen großen Teil zur Verbesserung dieser Situation bei.

Neben den Vertretern der öffentlichen Organisationen und dem Botschafter waren zur Eröffnungsfeier auch ehemalige Zwangsarbeiter und die Studenten, die ihre Geschichten auswählten, anwesend. Von einer der freiwilligen Studenten wurde eine Führung durch die Ausstellung für das Publikum angeboten, welche großen Anklang bei den Gästen fand.

Für Interessierte wird „Postscriptum“ bis zum 11.03. gezeigt und wird neben der Ausstellung auch ein Begleitprogram zum Beispiel mit einer Live-Bibliothek mit Überlebenden oder eine Podiumsdiskussion über die heutige Wahrnehmung von Kriegsfilmen anbieten.

Eintritt: 3/5 BYN

 

 

Freiwillige Maja Liebmann

Fotos Vika Mechovich

 

Fotos: