Internationale Sommerschule „Schweres Erbe und Erinnerung im Schaffensprozess“ Vom 1. bis zum 12. August 2016 fand auf dem Territorium von Belarus und Litauen die internationale interdisziplinäre Wandersommerschule „Das Erbe des Fehlens. Erinnerung an das

Vom 1. bis zum 12. August 2016 fand auf dem Territorium von Belarus und Litauen die internationale interdisziplinäre Wandersommerschule „Das Erbe des Fehlens. Erinnerung an das immaterielle, multiethnische Erbe in den Grenzgebieten Zentral- und Osteuropas” statt.

Sie wurde von der Universität Bremen, dem Bremer wisssenschaftlichen Forschungszentrum für osteuropäische Studien, der Europäischen Humanistischen Universität (Vilnius) und der Geschichtswerkstatt der IBB J. Rau Minsk organisiert und von der Volkswagen-Stiftung unterstützt.

Die Sommerschule richtete sich an Forschungsstudenten und junge Forscher, die sich mit der Geschichte, Ethnographie, osteuropäische Studien oder verwandten Disziplinen befassen. Die Arbeitssprache in der Schule war Englisch.

Zum Thema wurde das Erbe der wegen des Genozids und traumatischer Bevölkerfungsbewegungen des XX. Jahrhunderts fehlenden ethnischen Gruppen, das sog. Erbe der Verbrechen, gewählt. Die Veranstaltungen zielten darauf ab, die jungen Wissenschaftler mit der jüngsten Geschichte der Gewalt in diesem Teil Zentral- und Osteuropas vertraut zu machen und sie mit dem interdisziplinären Instrumentarium zu versorgen. Dieses sollten sie zur Analyse dessen verwenden, wie die Erinnerungen an die Fehlenden (fehlende jüdische Bevölkerung, Vertreibung von ethnischen Minderheiten, Verschweigen von historischen Narrativen) durch die örtliche Bevölkerung aufbewahrt, in dominanten Narrativen (Ausstellungen, Touristeninformationen u.ä.) faktorisiert und an entsprechender Stelle (unsichtbare und vergessene Orte, die mit fehlenden ethnischen Minserheiten verbunden sind, Erinnerungsorte der Holocaust-Opfer und andere Diskussionsorte) vorgestellt wird.

Am Beispiel litauisch-belarussischer Grenzgebiete boten die Ortganisatoren der Sommerschule den Teilnehmern einmalige, praktisch ausgerichtete Seminare mit geschichtlichen und ethnographischen Metodiken an. Die von den eingeladenen Experten gehaltenen einführenden Vorlesungen wurden durсh praktische Arbeiten zur Durchführung von mündlichen historischen Interviews, zur Anfertigung von Mini-Filmen zu Problemen der Erinnerungsorte und Erstellung von digitaler Geschichte ergänzt.

Die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern Europas und aus den USA stellten außerdem ihre Projekte zu Themen vor, die mit der Darstellung des „schweren“ Erbes in den Museen, mit dem Gedenken an Holocaust, der Erinnerungspolitik, der Aufbewahrung des Gedenkens in den Grenzregionen und dem materialisierten Gedenken verbunden waren.

Die Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt hielten Vorlesungen zu den Themen „Erforschung der jüdischen Vergangenheit in Belarus mithilfe von Oral History“, „Wie vermeidet man Fehler bei der Durchführung eines mündlichen historischen Interviews“. Sie begleiteten die Forschungsgruppe zur Oral History im Verlauf des belarussischen Teils des Programms und organisierten Führungen auf dem Territorium der Gedenkstätte Trostenez und des ehemaligen Minsker Ghettos sowie in der Geschichtswerkstatt.

Die im Laufe der Arbeit der Sommerschule gesammelten Materialien werden zur Zeit aufgearbeitet und werden später auf der Web-Seite der Bremer Universität den Zustand des Andenkens an die multikulturelle Vergangenheit der Grenzregion von Litauen und Belarus veranschaulichen. Und im nächsten Jahr werden die Teilnehmer der Sommerschule an diesem Thema weiterarbeiten, jedoch bereits auf dem Territorium Deutschlands.

 

 

 

 

 

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