Belarussisch-polnische Ausstellung „Zegota-Rat - Hilfe für jüdische Bevölkerung“

Am 19. April 2018 eröffneten das Institut für nationales Gedächtnis der Republik Polen, die polnische Botschaft in Belarus, das Polnische Institut in Minsk und die Geschichtswerkstatt Leonid Lewin zum 75jährigen Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto die Ausstellung  „Zegota-Rat – Hilfe für jüdische Bevölkerung“. Die Ausstellung ist der illegalen polnischen Organisation gewidmet, die von 1942 bis 1945 der jüdischen Bevölkerung in Polen Hilfe leistete.

An der Eröffnung der Ausstellung nahmen der Geschäftsträger ad interim der Republik Polen in Belarus  Michał Chabroś, der Hauptrabbiner der religiösen Vereinigung der Gemeinden des progressiven Judaismus Grigorij Abramowitsch, der Vorstandsvorsitzende der Minsker Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte J. Rau Dr. Viktor Balakirew und die ehemalige Gefangene des Minsker Ghettos Frida Reisman teil. Der Referent der Geschichtswerkstatt Dr. Kusma Kosak moderierte die Veranstaltung. Die Teilnehmer hatten auch die Möglichkeit, sich den Vortrag Dr. Alicja Gontareks (polnisches Institut des nationalen Gedächtnisses) – „Nicht nur Zegota“ – über die polnische Hilfe für die Juden im Zweiten Weltkrieg“ anzuhören. Nach dem Vortrag fanden eine Diskussion und eine Führung durch die Ausstellung statt, die die zweite Sekretärin der polnischen Botschaft in Belarus Elżbieta Iniewska machte. Die musikalische Umrahmung der Eröffnung verdankte man dem Musikensemble „Gilel“ unter der Leitung von Maxim Rassocha.

 

Historischer Hintergrund

1939 wohnten auf dem polnischen Territorium etwa 3,4 Millionen Juden. All das, was unter Bedingungen eines unabhängigen Staates die freie Entwicklung verschiedener Konfessionen garantierte, vereinfachte dem Dritten Reich die Aufgabe der Vernichtung der Juden – in der Realität der deutschen Okkupation war es ein Leichtes, eine so deutlich formierte Bevölkerungsgruppe, mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, auszusondern und zu isolieren.

Umsiedlung, Deportation, Vertreibung und Konzentrationslager, Einführung von strengen Gesetzen, Verbot des Gottesdienstes, Zwangsarbeit und Isolierung in den Ghettos – diese tägliche Erniedrigung führte direkt zur Realisierung des von den Okkupanten gesteckten Ziels – der Vernichtung der Juden. Allein in zwei Jahren (1942-1943) wurden ungefähr 3 Millionen polnische Juden vernichtet.

Das Verhalten der Polen zu Holocaust in den Jahren des Zweiten Weltkrieges war recht unterschiedlich: die Veränderung der Okkupationsbedingungen, die immer kompliziertere Lage der polnischen Familien, die Verstärkung der Repressalien vonseiten der Okkupanten verursachten in einigen Fällen Kleinmütigkeit und egoistisches, unmittelbar auf Selbsterhaltung gerichtetes Handeln, das von der Gesellschaft verurteilt wurde. Dabei war der Maßstab der Hilfe für die Juden vonseiten der Polen bedeutend größer. Laut Forschungsergebnissen könnte die Zahl der Polen, die auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlicher Ebene gewillt waren, den Juden Hilfe zu leisten, eine Million erreichen. Als die Notwendigkeit entstanden war, die Hilfe zu systematisieren und ein Schema koordinierter Handlungen in verschiedenen Richtungen zu schaffen, wurde der Hilfsrat für Juden „Zegota“ gegründet. Darin arbeiteten sowie Politiker der national-katholischen und sozialistischen Orientierung als auch jüdische Politiker – von Zionisten bis zu den Kommunisten - zusammen. Die wichtigsten Richtungen in der Arbeit des Rates waren Dokumentenfälschungen (insbesondere der Kinder), Suche nach sicheren Wohnorten, Übergabe von Geldern an Familien und Unterstützung der Familien und Klöster, in denen sich die Juden versteckten.

„Der Hilfsrat „Zegota“, der die Bereitschaft der Polen symbolisierte, ihr Leben und das Leben ihrer Nächsten für die Rettung eines fremden Lebens zu riskieren, ist eine der schönsten Erscheinungsformen der Würde, Moral und Menschlichkeit“, - betonte der stellvertretende Direktor des polnischen Instituts für nationales Gedächtnis Dr. Mateusz Szpytma.

Die Ausstellung  „Zegota-Rat - Hilfe für jüdische Bevölkerung“ ist eine Erzählung über all diejenigen, deren ungebrochener Mut und ausgewogene altruistische Entscheidungen vielen Menschen das Leben gerettet haben, die unbewaffnet vor dem Hitler-Terror standen. Die Ausstellung ist vom Institut des nationalen Gedächtnisses und der Kommission zur Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk vorbereitet worden. Die Autoren der Ausstellung sind Dr. Marcin Urynowicz und Dr. Paweᴌ Rakicki.

Die Ausstellung „Zegota-Rat - Hilfe für jüdische Bevölkerung“ ist bis zum 19. Mai 2018 in der Geschichtswerkstatt (Minsk, Suchajstraße 25) zu besichtigen. Eintritt frei.

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